9 März 2026
ERP-Integration für die Planung: Wer ist für welche Daten führend?
Das ERP-System sagt 320 offen, der Planer 308, der Shopfloor „erledigt“. Erfahren Sie, wie Sie eine Teilrückmeldung nachverfolgen, drei Auftragstermine sauber trennen und festlegen, welches System für welche Daten führend ist.

Der Vertrieb stellt eine einfache Frage: Wie viel von Auftrag 4711 ist noch zu fertigen? Das ERP-System sagt 320. Der Plan des Planers sagt 308. Der Shopfloor sagt „erledigt“. Drei Systeme, drei Antworten, und jede ist nach ihren eigenen Regeln richtig. Genau dieses Problem muss die ERP-Integration lösen.
ERP-Integration für die Produktionsplanung bedeutet, Ihr ERP-System (SAP, Oracle, Microsoft Dynamics 365 oder ein anderes) mit dem Werkzeug zu verbinden, das die Fertigung plant und feinplant – so, dass Aufträge, Bestände und Rückmeldungen in beiden dasselbe bedeuten. Der schwierige Teil ist selten die technische Verbindung. Schwierig ist, sich zu einigen, welches System für welche Daten führend ist und was jede Zahl bedeutet.
Drei Antworten, ein Auftrag
Auftrag 4711 lautet über 500 Gutteile. Bisher hat die Maschine 192 Stück bearbeitet: 180 Gutteile und 12 Ausschuss.
- Das ERP-System zieht die Gutteile ab: 500 − 180 = 320 offen.
- Das Planungswerkzeug hat alles abgezogen, was über die Maschine gelaufen ist: 500 − 192 = 308 offen.
- Der Shopfloor hat einen Arbeitsauftrag für den Lauf dieser Woche über 192 Stück erhalten. Dieser Lauf ist beendet, für ihn ist der Auftrag also erledigt.
Niemand hat sich vertippt. Alle verwenden unterschiedliche Definitionen von „offen“. Integration beginnt damit, sich auf diese Definitionen zu einigen – bevor auch nur ein einziges Feld zugeordnet wird.
Eine Teilrückmeldung, verfolgt durch beide Systeme
Ein Fertigungsauftrag über 100 Halterungen hat drei Arbeitsgänge: 10 Zuschnitt, 20 Schweißen, 30 Lackieren. Der Schweißer meldet am Arbeitsgang 20 60 Gutteile zurück und geht nach Hause.
- Im Planungswerkzeug hat Arbeitsgang 20 noch 40 offene Stück, verschoben auf morgen. Die Lackierung kann mit den 60 beginnen, sofern Ihre Weitergaberegeln Teilmengen zulassen. Der Arbeitsauftrag erscheint als teilweise erledigt und bleibt mit dem Kundenauftrag verknüpft.
- Im ERP-System erhält der Auftrag eine Teilrückmeldung über 60 Stück am Arbeitsgang 20. Ein Wareneingang für Fertigwaren wird noch nicht gebucht; das geschieht erst nach dem Lackieren.
Nun zwei Dinge, die in der Praxis schiefgehen.
Die Meldung wird doppelt gesendet. Ein kurzer Netzwerkaussetzer, ein erneuter Versuch – und das ERP-System zeigt 120 von 100 geschweißt. Jede Rückmeldung braucht eine eindeutige ID, damit das empfangende System ein Duplikat erkennt und ignoriert.
Die Menge wird korrigiert. Am nächsten Morgen stellt die Prüfung fest, dass 5 der 60 Schweißnähte fehlerhaft sind. Die Rückmeldung lautet nun 55 Gutteile und 5 Ausschuss, es werden also noch 45 gebraucht, nicht 40. Jemand muss entscheiden, ob 5 zusätzliche Teile zugeschnitten werden oder der Kunde 95 abnimmt. Das ist eine Entscheidung für einen Menschen, nicht für die Schnittstelle.
Wunschtermin, berechneter Termin, zugesagter Termin
Die meisten Aufträge tragen drei Termine, und diese dürfen sich nicht gegenseitig überschreiben:
- Wunschtermin: was der Kunde angefragt hat, der 10. März. Er ändert sich nur, wenn der Kunde ihn ändert.
- Berechneter Termin: was laut Planungswerkzeug möglich ist, der 14. März. Er kann sich mit jedem Planungslauf ändern.
- Zugesagter Termin: was der Vertrieb nach Blick auf den berechneten Termin bestätigt hat, der 15. März. Er ändert sich nur, wenn jemand bewusst neu zusagt.
Der klassische Fehler: den berechneten Termin direkt in den zugesagten Termin zu schreiben. Dann ändert jeder Planungslauf stillschweigend, was dem Kunden mitgeteilt wurde. Besser: Rutscht der berechnete Termin hinter den zugesagten, wird der Vertrieb alarmiert. Nicht überschreiben. Wie die Zusage überhaupt geprüft wird, beschreibt der Beitrag Vom Kundenauftrag zur Fertigung.
Wer bei der ERP-Integration für welche Daten führend ist
Die Regel: Jedes Feld hat genau einen Eigentümer – das einzige System, das es ändern darf. Das andere liest es nur. Eine typische Aufteilung:
| Daten | In der Regel führend |
|---|---|
| Artikel, Stücklisten, Arbeitspläne | ERP-System (oder Konstruktion) |
| Kundenaufträge, Wunschtermine | ERP-System |
| Zugesagte Termine | ERP-System, vom Vertrieb auf Basis des berechneten Termins gesetzt |
| Termine der Arbeitsgänge, Maschinen, Reihenfolge | Planungswerkzeug |
| Arbeitsaufträge für den Shopfloor | Planungswerkzeug |
| Rückmeldungen zu Gutteilen und Ausschuss | Dort, wo der Shopfloor sie erfasst |
| Bestände, Wareneingänge, Kosten | ERP-System |
Ihre Aufteilung kann anders aussehen. Entscheidend ist, dass sie schriftlich festgehalten ist.
Denken Sie an zwei Köche, die dieselbe Suppe salzen. Jeder probiert, findet sie fad und gibt Salz dazu. Beide haben vernünftig gehandelt. Die Suppe ist verdorben. Daten mit zwei Eigentümern ergeht es genauso.
Der Mythos: „Gute Integration synchronisiert alles, in beide Richtungen, in Echtzeit“
Wer jedes Feld in beide Richtungen schickt, sorgt garantiert dafür, dass sich zwei Systeme gegenseitig überschreiben. Gute Integration ist selektiv: das, was die andere Seite braucht, dann, wenn sie es braucht, eine Richtung pro Feld. Rückmeldungen können alle paar Minuten fließen, Artikeldaten einmal am Tag.
SAP, Oracle, Dynamics: dieselben Fragen
Nichts davon hängt von der Marke ab. Ob SAP, Oracle oder Microsoft Dynamics 365: Sie müssen sich trotzdem einigen, was „offen“ bedeutet, welcher Termin welcher ist und wer für jedes Feld führend ist. Die Feldzuordnung unterscheidet sich je nach System und Konfiguration – klären Sie deshalb zuerst die Zuständigkeiten. Warum es überhaupt eine eigene Planungsebene braucht, erklärt der Beitrag Warum das ERP-System jedem Auftrag 10 Tage gibt.
Wie factory.online hilft
factory.online bietet Integrationen mit SAP und Microsoft Dynamics 365. Wenn Sie Oracle oder ein anderes ERP-System nutzen, fragen Sie nach, was eine Anbindung für Ihre Umgebung bedeuten würde. In factory.online sieht der Planer jeden Fertigungsauftrag mit seinen Arbeitsaufträgen und den Rückmeldungen zu Gutteilen und Ausschuss je Arbeitsgang. Die 60 geschweißten Halterungen und die restlichen 40 sind also sichtbar und mit dem Kundenauftrag verknüpft. Gefertigte Chargen behalten ihre Historie für die Chargenrückverfolgbarkeit.
Wenn Ihr ERP-System, Ihr Planer und Ihr Shopfloor drei verschiedene Antworten geben, vereinbaren Sie eine Demo – dann verfolgen wir gemeinsam einen dieser Aufträge.