← Alle Artikel

11 Mai 2026

Abhängiger Bedarf: Warum Sie niemals Schrauben prognostizieren sollten

Niemand plant Eier nach dem Eierverbrauch. Erfahren Sie, wie abhängiger Bedarf aus der Stückliste berechnet wird, wo Ersatzteile hingehören und wie die Prognose von Komponenten doppelt zählt.

Isometrische Illustration zu Abhängiger Bedarf: Warum Sie niemals Schrauben prognostizieren sollten

Niemand, der eine Bäckerei führt, plant Eier anhand des Eierverbrauchs im letzten Monat. Man schaut, wie viele Kuchen gebacken werden, und liest das Rezept. Drei Eier pro Kuchen, 40 Kuchen, 120 Eier. Geschätzt werden muss nur die Zahl der Kuchen.

Genau das ist die Idee hinter dem abhängigen Bedarf. Abhängiger Bedarf (Sekundärbedarf) ist der Bedarf an einem Teil, der sich aus dem Bedarf an einem anderen Teil ergibt: die Komponenten, Materialien und Unterbaugruppen, die in ein Produkt eingehen, das Sie bauen wollen. Unabhängiger Bedarf (Primärbedarf) kommt von außen: Kunden bestellen Fertigerzeugnisse oder Ersatzteile. Unabhängiger Bedarf muss prognostiziert werden. Abhängiger Bedarf lässt sich berechnen. Wer beides verwechselt, zahlt teuer dafür.

Unabhängiger und abhängiger Bedarf

Ein einfacher Test: Würde irgendjemand dieses Teil bestellen, wenn Sie das Produkt, in das es eingeht, nicht mehr fertigen?

  • Fertige Pumpen: Ja, Kunden bestellen sie. Unabhängiger Bedarf. Prognostizieren oder aus dem Auftragsbestand übernehmen.
  • Pumpengehäuse: Nur, weil Pumpen gebaut werden. Abhängiger Bedarf. Berechnen.
  • Schrauben: Nur, weil Pumpen montiert werden. Ebenfalls abhängiger Bedarf.

Abhängiger Bedarf wird berechnet, indem man die Stückliste hinuntergeht: das Rezept des Produkts, mit Mengen pro Einheit.

Rechenbeispiel: 100 Pumpen

Geplant ist die Montage von 100 Pumpen in Woche 6. Jede Pumpe braucht 1 Gehäuse und 4 Schrauben.

Bruttobedarf:

  • Gehäuse: 100 × 1 = 100
  • Schrauben: 100 × 4 = 400

Nettobedarf der Gehäuse. Im Lager liegen 30 verwendbare Gehäuse, und 20 weitere kommen in Woche 5 aus der mechanischen Bearbeitung, also vor Montagebeginn. Nettobedarf: 100 − 30 − 20 = 50 Gehäuse.

Nettobedarf der Schrauben. 250 auf Lager, nichts bestellt. Nettobedarf: 400 − 250 = 150. Schrauben kommen in Kartons zu 200, also bestellt der Einkauf einen Karton. Nach der Montage bleiben 200 − 150 = 50 Schrauben für den nächsten Auftrag im Regal.

Termine. Gehäuse und Schrauben werden zu Montagebeginn gebraucht, nicht am Versandtag. Werden die Gehäuse im eigenen Haus aus Gussrohlingen bearbeitet und dauert die Bearbeitung eine Woche, müssen die 50 neuen Gehäuse spätestens in Woche 5 in die Bearbeitung gehen. Bis dahin müssen also 50 Rohlinge vorhanden sein. Jede Ebene tiefer verschiebt den Termin um die Durchlaufzeit dieser Ebene nach vorn. Genau diese Rechnung führt die MRP jede Nacht für jedes Teil aus.

Ein Teil, zwei Arten von Bedarf

Dasselbe Gehäuse wird auch als Ersatzteil verkauft. Servicekunden kaufen etwa 15 pro Monat, und dieser Bedarf ist wirklich unabhängig: Niemand weiß genau, welche Pumpe einen Riss bekommt.

Das Gehäuse hat also zwei Bedarfsquellen:

  • Abhängig: 100 für die zu bauenden Pumpen, berechnet aus dem Plan.
  • Unabhängig: etwa 15 für Ersatzteile, prognostiziert aus der Servicehistorie.

Gesamter Bruttobedarf: 100 + 15 = 115. Nach Abzug derselben 50 Stück aus Bestand und offener Bestellung bleibt ein Nettobedarf von 65. Prognostizieren Sie nur die Ersatzteile, und lassen Sie die Stückliste den Rest berechnen.

Wie die Prognose von Komponenten doppelt zählt

Was viele Werke stattdessen tun: Jemand sieht, dass der Gehäuseverbrauch im letzten Quartal im Schnitt bei 110 pro Monat lag (Pumpen plus Ersatzteile), und trägt 110 in die Gehäuseprognose ein.

Dann löst die MRP den Pumpenplan auf und ergänzt ihre eigenen 100 Gehäuse. Die Planung sieht jetzt 110 + 100 = 210. Der echte Bedarf liegt bei 115. Das Werk plant 210 − 115 = 95 Gehäuse, die niemand brauchen wird, dazu die Rohlinge darunter und die Bearbeitungsstunden für ihre Fertigung.

Die Historie war richtig, die Stückliste war richtig. Der Fehler lag darin, eine Zahl zu prognostizieren, die hätte berechnet werden müssen. Die Lösung ist eine Regel: Prognostizieren Sie nur unabhängigen Bedarf, also Fertigerzeugnisse und Ersatzteile, und lassen Sie die Stückliste alles andere steuern. Woher die Prognose für Fertigerzeugnisse kommt, ist Aufgabe der Bedarfsplanung.

Mythos: „Abhängiger Bedarf ist sicher, also gibt es kein Risiko“

Die Menge steht fest, sobald der übergeordnete Plan steht. Das Risiko verlagert sich anderswohin:

  • Der übergeordnete Plan ändert sich. Ziehen Sie den Pumpenauftrag eine Woche vor, verschieben sich alle Termine für Gehäuse, Schrauben und Rohlinge mit. Ein freier Montageslot heißt nicht, dass die Komponenten folgen können.
  • Die Stückliste ist falsch. Nach einer Zeichnungsänderung bekommt jede Pumpe 6 Schrauben, die Stückliste sagt noch 4. Die Rechnung ist präzise und falsch: Es fehlen 200 Schrauben.
  • Der Bestand ist nicht wirklich verwendbar. Gehäuse in Qualitätssperre oder in einem anderen Gebäude zählen im Bestandsbericht, aber nicht an der Linie.

Deshalb stoppt auch eine einzige fehlende Komponente die gesamte Montage. Eine Pumpe mit 99 % ihrer Teile ist 0 % einer Pumpe – das Problem, um das es im Beitrag zur Montageplanung geht.

Kurze Checkliste

  • Bekommt jede Komponente ihren Bedarf aus einer Stückliste und nicht aus einer Prognose?
  • Werden Ersatzteile und Servicekits separat prognostiziert, und zwar nur einmal?
  • Ist der „verwendbare Bestand“ von der Qualitätssicherung freigegeben, am richtigen Ort und nicht reserviert?
  • Sind die Durchlauf- und Wiederbeschaffungszeiten auf jeder Stücklistenebene aktuell, damit die Termine korrekt versetzt werden?

Was der Planer in factory.online sieht

In factory.online löst die MRP den Fertigungsauftrag über 100 Pumpen über die mehrstufige Stückliste auf, zieht die 30 Gehäuse im Bestand und die 20 aus dem offenen Bearbeitungsauftrag ab und zeigt einen Fehlbedarf von 50 Gehäusen, verknüpft mit genau diesem Pumpenauftrag. Ein separater Kundenauftrag für Ersatzgehäuse erzeugt eigenen Bedarf auf demselben Artikel, sodass der Planer beide Quellen nebeneinander sieht statt einer vermischten Prognose.

Wenn Ihre Planer schon einmal eine Palette Komponenten gefunden haben, die niemand bewusst bestellt hat, schauen wir uns in einer Demo an, woher sie kam.

Ihre Fabrik verdient etwas Besseres als Tabellenkalkulationen und Vermutungen